Erst Abi, dann Weltmeisterschaft – Offenbacher Fechter reisen nach Moskau zur Junioren- und Kadetten-WM

Drei Mal unter der Woche plus eine Einheit am Samstag – dazu Abiturprüfungen oder Klausuren. Das Pensum der Offenbacher Fechter ist enorm. Die Junioren- und Kadetten-EM in Porec (Kroatien) ist gerade erst vorbei, da bereiten sich Florina Plachta, Nadine Stahlberg und Abigail Stech sowie Nikolaus Bodoczi schon wieder gezielt auf die Weltmeisterschaften in Moskau (31. März – 8. April) vor.
Erholung am Wochenende? Fehlanzeige. „Die Zeit von Donnerstag bis Dienstag wäre zu lang. Die müssen sich ein wenig bewegen“, erklärt Trainer Miklos Bodoczi. Die Einheiten sehen aber nach allem aus, nur nicht nach „ein wenig bewegen“. Immer wieder schickt er seine Schützlinge gegeneinander auf die Planche, immer wieder analysiert er die Gefechte mit den Sportlern. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich die vier gut vorbereitet fühlen und selbstbewusst nach Moskau reisen.
Nach dem Gewinn der Silbermedaille mit der Mannschaft und Platz drei im Einzelwettkampf bei der EM sieht Nadine Stahlberg der WM gelassen entgegen. „Ich gehe eher ganz locker an die Sache ran. Die Medaille hat mir nur bewiesen, dass ich es kann und noch mehr drin ist“, antwortet die 16-Jährige kurz auf die Frage, ob sich durch die jüngsten Ergebnisse der Erfolgsdruck erhöhe. Erneut soll es eine Medaille werden, „wenn nicht sogar der Titel“. Die Beschwerden an der Leiste lässt sie schon jetzt nicht als Ausrede gelten. „Das ist nichts großes, alles halb so schlimm“, sagt sie.
Angeschlagen wird auch Abigail Stech in den Wettkampf gehen. Sie kämpft mit einer Entzündung im Handgelenk. Aber auch sie wird definitiv am 2. April beim Kadetten-Wettkampf antreten. Ein Teamwettbewerb findet bei den Kadetten nicht statt.
Dafür werden am Donnerstag, 5. April, gleich zwei Damen des FCO um die Medaillen kämpfen. Neben Stahlberg, die wie schon bei der EM bei Kadetten und Junioren starten wird, greift auch Florina Plachta zum Degen. „Ich bin sehr gespannt auf Moskau! Ich freue mich riesig und will in erster Linie nur gut fechten und mein Können beweisen. Wenn ich mich konzentriere und alles ordentlich mache, dann habe ich Chancen sehr weit zu kommen“, weiß Plachta. Die WM-Vorbereitung war für die Schülerin nicht einfach. „Wir schreiben aktuell viele Klausuren, die auch schon abiturrelevant sind. Es ist nicht leicht alles zu vereinbaren, vor allem wenn Lehrer umfangreiche und schwere Aufgaben über die Ferien aufgeben“, gesteht Plachta.
Dieselbe Problematik stellt sich Offenbachs männlichem Vertreter in Moskau, Nikolaus Bodoczi. Der schrieb am Donnerstag noch die letzte Abiturprüfung. „Dadurch hat die Vorbereitung für die WM natürlich einstecken müssen, aber das sehe ich nicht als Problem. Nach dem Ende des schriftlichen Teils kann ich absolut stressfrei und locker an das Turnier rangehen“, blickt der 18-Jährige dem Turnier entspannt entgegen. Da möchte er es dann besser machen als in Porec. Das Abschneiden bei der EM und Platz zwölf waren nicht nach seinem Geschmack. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich sofort meine Fehler mir gegenüber eingestehe und das Gefecht noch mal Revue passieren lasse“, sagt Bodoczi. In Porec haderte der Offenbacher zudem mit manch zweifelhafter Entscheidung der Obmänner. „Daraus resultierten die restlichen Fehler, die mich den Sieg gekostet haben. Und in letzter Zeit war das nicht das erste Mal, dass eindeutig gegen mich entschieden worden ist, was mir alles andere als gefällt“, gesteht der Degenfechter. Ziel ist dennoch der Titel. „Alles andere macht für einen Leistungssportler keinen Sinn“, so Bodoczi. „Und wenn es diesmal so ablaufen muss, dass ich nicht nur den Gegner sondern auch den Kampfrichter schlagen muss, dann trete ich den Kampf an. Die WM ist der Punkt auf den ich das ganze Jahr hingearbeitet habe“, gibt er sich kämpferisch.
Der Teamwettbewerb am 8. April ist für Bodoczi zweitrangig. „An einem guten Tag mit einem guten Lauf ist was drin, ansonsten nicht“, schätzt er die Chancen auf vordere Platzierungen eher gering ein. Am selben Tag treten die Offenbacher Damen dafür mit Deutschland an und bilden den Abschluss der Titelkämpfe in Moskau.