FCO-Neuzugang aus Paris trumpft in Berlin auf

Frédéric Peignet gewinnt Bronze beim weißen Bären / Bodoczi zweitbester Deutscher auf 7

Offenbach (bü) Ein neuer Name tauch in der Vereinsliste des Fechtclubs Offenbach auf: Frédéric Peignet. Spätestens seit dem 52. Weißen Bären in Berlin kein unbekannter Name mehr in Fechterkreisen. Der 23-Jährige sprang bei seinem ersten Turnier für den FCO im historischen Kippelsaal im Olympiapark in Berlin vor über 300 Zuschauern direkt auf das Siegertreppchen und sicherte sich die Bronzemedaille. Dabei musste er im Halbfinale dem Ersten der deutschen Rangliste, Jörg Fiedler, nur knapp mit 13:15 den Vortrott lassen. Und Fiedler gilt immerhin als heißestes Anwärter auf das Olympiaticket für London und bezwang zuvor Vize-Weltmeister und Weltranglistenersten Bas Verwijlen aus den Niederlanden. Insgesamt gingen in Berlin über 244 Teilnehmer aus 33 Nationen auf die Planche.
Umso bemerkenswerter ist das Ergebnis von Peignet vor dem Hintergrund, dass er eine lange Wettkampfpause hinter sich hat. „Ich stand lange nicht auf der Planche und habe mich deshalb ein bisschen in Offenbach trainiert und mich vorbereitet. Aber als ich das Niveau in Berlin am ersten Wettkampftag gesehen habe, war mein Ziel mich für den zweiten Tag zu qualifizieren“, sagte Peignet. Das war ihm mit jeweils nur einer Niederlage in Vor- und Zwischenrunde eindrucksvoll gelungen. Zum Erfolgsrezept sagt er kurz und trocken: „Die anderen Leute vom FC Offenbach standen wirklich hinter mir, haben mich angefeuert und mir Tipps gegeben. Das war wirklich schön!“ Das Frédéric Peignet der deutschen Sprache mächtig ist, verwundert nur auf den ersten Blick. Aktuell absolviert er ein Doppeldiplom an der TU Darmstadt. Der Elektrotechnik-Student stammt aus Paris und ist amtierender französischer Vize-Meister.
Sein Abschneiden in der Zwischenrunde bescherte ihm ein Freilos in der ersten KO-Runde. Anschließend marschierte er mit Siegen über den Tschechen Matyas Ambroz (15:11) und den Belgier Thibault Ferage (15:10) sowie einem 15:14-Erfolg über Martin Capek (Tschechien) in die Runder der letzten 16. Zwar verlor er gegen den Vizeweltmeister Bas Verwijlen, konnte sich aber mit einem Sieg über den Polen Kamil Wrona für das Viertelfinale qualifizieren. Gegen den an eins gesetzten Italiener Riccardo Schiavina holte der Neu-Offenbacher ein 5:9 und 12:14 auf und gewann im Sudden-Death 15:14. Erst dann musste er sich dem späteren Sieger und zehn Jahre älteren Fiedler geschlagen geben, obwohl Peignet auf 10:11 verkürzen konnte.
Zweitbester deutscher Athlet wurde das Offenbacher Nachwuchstalent Nikolaus Bodoczi. Im 128er-KO setzte er sich souverän gegen Janek Stumpf (FC Tauberbischofsheim) durch. Nach einer Niederlage gegen den Kanadier Hugues Boisver-Simard setzte sich Bodoczi im Hoffnungslauf gegen den Rumänen Bertalan Arkosi 15:10 durch und stand im 32er-KO dem Niederländer Matthijs de Vries gegenüber. Bodoczi verlies mit einem 15:6-Erfolg die Planche. Nach einem 15:13-Sieg gegen Niklas Multerer setzte sich der FCO-Degenspezialist gleich zwei Mal im Sudden-Death durch. Erst musste Mateusz Nycz aus Polen und dann der Rumäne Radu Andrei die Waffen strecken. Im Viertelfinale war der Ukrainer Ievgen Makiienko dann aber zu stark für Bodoczi, der das Turnier nach der 7:15-Niederlage auf Rang sieben beendete.
Bodoczi ist als zweitbester Deutscher aber auch dem Bundestrainer Didier Ollagnon aufgefallen, wie dieser auf der Verbandsseite mitteilte. Kein Wunder, schließlich ist Bodoczi ganze 16 Jahre jünger als Vorzeigeathlet Fiedler, machte mit dem Erfol in Berlin eine Sprung in der Rangliste der Aktiven auf Platz acht und führt nun die deutsche Rangliste der Junioren mit 86,8 Punkten vor Richard Schmidt (FC TBB /78,8) an.
Aber nicht nur in der absoluten Spitze zeigten die Offenbacher Qualität. Mit sieben Akteuren reisten die Hessen in die Hauptstadt. „So stark vertreten ist der Fechtclub Offenbach bei einem solch wichtigen Herrendegen-Turnier erst zum zweiten Mal“, verrät Fechter Sebastian Bartsch. Der musste jedoch selbst nach einem Sieg in der Vorrunde früh die Waffen auf Platz 190 niederlegen.
Erfolgreicher war da Rudolf Haller. Der mit sechs Siegen aus sechs Gefechten aus der Zwischenrunde kam und zwei Siege in der KO-Phase folgen ließ. Gegen den Ukrainer Sergej Rudenko musste er sich jedoch 11:15 geschlagen geben und das Turnier auf Rang 58 beenden.
Die Offenbacher Lars-Erik Langguth und Daniel Sandmann mussten sich mit den Plätzen 70 und 156 begnügen.
Für eine kleine, kuriose Geschichte sorgte der siebte Offenbacher Thorsten Bayer. Die letzte Abfahrt von der Skipiste führte den Offenbacher direkt auf die Planche. Doch der Sporturlaub steckte wohl noch zu sehr in den Knochen. Bayer überstand zwar die Zwischenrunde mit drei Erfolgen, musste aber früh in der KO-Phase das Turnier auf Rang 76 beenden. Damit blieb Bayer nach seinem Halbfinaleinzug von Reutlingen ohne Ranglistenpunkte und rutschte in der Rangliste auf Platz 15 ab.