Zwei Geschwister auf einer (Erfolgs-)Welle

Nadine und Sabrina Stahlberg teilen nicht nur die Leidenschaft zum Fechten

Sieben Jahre trennen das Geschwisterpaar. Das Florett nahm die ältere der beiden das erste Mal in die Hand, als die kleine Schwester geboren wurde. Heute betreten beide die Planche mit dem Degen. Doch die sportverrückten Schwestern gehen nicht nur ihrer großen Leidenschaft gemeinsam hinterher. Wintersport und Fußball spielen genauso eine Rolle im Leben der beiden. Von wem die Rede ist?  Von Offenbachs Fechterinnen Sabrina und Nadine Stahlberg.

Zugegeben, aktuell steht eine der beiden aufgrund der jüngsten Erfolge mehr im Rampenlicht denn je. Nadine Stahlberg beherrscht aktuell in ihrer Altersklasse die Planche fast nach belieben. Die A-Jugendliche steht nach Erfolgen in Grenoble und Solingen unangefochten an der Spitze der deutschen Rangliste. Jüngst gewann sie die Deutschen Meisterschaften der Junioren im Einzel und mit der Mannschaft. Das gelang auch ihrer großen Schwester im Einzel im Jahr 2007. Das Talent scheint in der Familie zu liegen, dabei war Sabrina Stahlberg das erste Familienmitglied, das auf die Planche tritt. „Das war in der Grundschule, da hat mich eine Freundin mitgenommen. Damals waren wir eine riesige Anfängergruppe, bestimmt an die 100 Leute. Heute sind davon nur noch Sarah Neder und ich übrig geblieben“, beschreibt die heute 22-Jährige die Anfänge. Damals griff sie noch – wie bei Anfängern üblich – zum Florett. „Auf Degen bin ich erst im zweiten A-Jugendjahr umgestiegen“, sagt Sabrina Stahlberg. Das lag vor allem an den besseren Trainingsmöglichkeiten und der Paradedisziplin von Offenbachs Trainer Miklos Bodoczi. 

Da ihre Eltern sie bei ihrem Sport voll unterstützten, wuchs ihre jüngere Schwester Nadine Stahlberg mit dem Fechtsport auf. „Ich bin quasi in der Fechthalle groß geworden, war bei vielen Turnieren mit. Da war es nur logisch, dass auch ich fechte“, sagt Nadine Stahlberg. Die Begeisterung im Sport war auch schon vorher in der Familie Stahlberg vorhanden. „Unser Vater hat früher Fußball gespielt und kann, glaube ich zumindest, unsere Begeisterung für das Fechten daher gut nachvollziehen“, ist Sabrina Stahlberg glücklich über die Unterstützung der Eltern. Bei dreimaligem Training pro Woche plus An- und Abreise zu Wettkämpfen und den Turniertagen selbst auch dringend notwendig.

„Viel Freizeit bleibt da nicht mehr“, sagt das Geschwisterpaar im Einklang. Aber wenn, dann sitzen beide gemeinsam auf der Couch und verfolgen den Wintersport. Oder die Fußball-Bundesliga. Auch da sind beide einer Meinung: Deutscher Meister wird nur der BVB. Aber wie kommt eine Offenbacher Fechterin dazu, Fan von Borussia Dortmund zu sein? „Naja, Sabrina fand damals den Christoph Metzelder so toll, seitdem sind wir Dortmund Fans“, verrät Nadine Stahlberg mit einem Grinsen und einem verstohlenen Blick zur großen Schwester.

Den Blick wirft sie auch ab und zu bei Turnieren zur Schwester. „Ich versuche bei vielen Turnieren dabei zu sein, fiebere immer mit und bin total stolz auf sie und ihre Leistungen“, sagt Sabrina Stahlberg. Und die 22-Jährige weiß die Leistungen einzuschätzen. Als Jugendtrainerin lehrt sie Nachwuchskräfte seit nun mehr acht Jahren. Aktuell ist sie gemeinsam mit Julia Engel für eine zwölfköpfige Anfängergruppe verantwortlich. „Es macht total viel Spaß, die Kinder sind noch leichter zu motivieren und man erkennt schneller die Fortschritte“, sagt Sabrina Stahlberg. Dass sie dafür auch noch Zeit findet, ist bemerkenswert. Denn ihr Studium auf Lehramt in den Fächern Deutsch und Geographie nimmt viel Zeit in Anspruch, insbesondere in den Klausurphasen. Und dann geht sie noch einem Aushilfsjob nach – in der Regel vor den Vorlesungen. 

Aber auch bei der kleinen Schwester ist Freizeit Mangelware. „Mit der Schule ist das nicht immer einfach, weil ich oft wegen An- und Abreise zu Turnieren fehle, aber bislang bekomme ich das gut hin“, sagt Nadine Stahlberg. „Man merkt ihr schon an, dass sie oft K.O. ist“, gesteht Sabrina Stahlberg. Aber auch in Sachen Traumberuf ist die kleine auf den Spuren der großen Schwester, möchte später Sport auf Lehramt studieren. 

Ein Beruf, der in Fechterkreisen beliebt zu sein scheint, denn auch die FCO-Trainerin Christine Stoppel steht tag täglich hinterm Pult. 

Aber nicht nur in Beruf und im Training halten die FCO-Akteure zusammen. „Wir unternehmen auch außerhalb des Trainings viel mit anderen Fechtern, planen sogar einen gemeinsamen Urlaub“, berichten die Stahlberg-Schwestern. Dann sollen aber nicht Ibiza, Mallorca oder andere Partyziele angesteuert werden. „Wir wollen wohl nach Ungarn und dort eine Art Trainingslager gestalten“, verrät die ältere der Stahlberg-Geschwister. „Wir waren schon Mal in Ungarn, da hat uns die Mutter von Miklos sogar zum Essen eingeladen“, beschreibt Sabrina Stahlberg das Teamgefüge beim FC Offenbach. „Wir sind wie eine große Familie, unternehmen viel zusammen, gehen bei Turnieren abends gemeinsam essen und verbringen viel Zeit beim gemeinsamen Training“, ergänzt Nadine Stahlberg. 

Ehe die beiden die Feiertage im Kreise der Familie genießen, geht es am Samstag zum Junioren-Weltcup in Laupheim. Da kann Nadine Stahlberg dann befreit auf die Planche gehen. „Die Qualifikation für die Europameisterschaft ist erreicht, der Druck ist weg“, beschreibt Nadine Stahlberg ihre Gefühlslage. „Wenn man die Saison so erfolgreich beginnt, erwartet jeder, dass man die Qualifikation auch schafft“, ergänzt sie. „Wir sind stolz, dass sie dem Erfolgsdruck stand gehalten hat“, sagt ihre große Schwester. Im neuen Jahr geht es dann sofort weiter mit Weltcup-Turnieren und der Vorbereitung auf die Europameisterschaft, für die sich auch die FCO-Athletin Abigail Stech qualifiziert hat.