Schule trifft Fechten (18. Juni 2011)

Lehrer und Präsident des HFV Norbert Kühn stellt Schulprojekt vor

„Talentsuche, Talentförderung“ – unter diesem Projekt vom hessischen Kultusministerium bringt der Lehrer der Albert-Schweitzer-Schule in Offenbach und gleichzeitig Präsident des Hessischen Fechtverbandes und Besitzer der Trainer A-Lizenz, Norbert Kühn, Schülerinnen und Schüler das Fechten bei.

„Ich habe Spaß an der Arbeit mit Kindern“, sagte Norbert Kühn am Informationsabend, bei dem das Projekt den Eltern vorgestellt wurde. „Vielleicht liegt es ja am Generationsunterschied, es kommt mir vor wie Opa und Enkel“, sorgte der 60-Jährige für Lachen im mit rund 30 Eltern besetzten Raum des Offenbacher Fechtclubs. Der ist Partner des Schulsportzentrums Offenbach und der federführenden Albert-Schweitzer-Schule, die unmittelbar an das Gelände des Fechtclubs angrenzende Edith-Stein-Schule beteiligt sich ebenfalls am Projekt. „Wir sind froh, dass sich die Schule so intensiv um den Nachwuchs kümmert und wir unseren Beitrag in punkto Räumlichkeiten und Ausrüstung leisten können“, verkündete FCO-Präsident Waldemar Krug. „Ich denke, dass damit den Kindern eine tolle Möglichkeit geboten wird, sich am Fechtsport auszuprobieren und sich sportlich zu betätigen“, ergänzte Krug.

Genau an diesem Punkt möchte auch Kühn ansetzen. „Wir möchten den Schülern die Option bieten, etwas Besonderes zu machen. Fechten gibt es nicht an jeder Straßenecke“, betonte der Lehrer. „Im Fechten haben wir eine langjährige Ausbildung, ähnlich wie im Turnen. Deshalb müssen wir schon im frühen Kindesalter die Grundlagen legen, um später erfolgreiche Fechter hervorzubringen“, ergänzte Kühn. Ziel von Kühn und dem Projekt ist es, die Kinder und Jugendliche bei einem Prozess zu begleiten und auf die Duelle auf der Planche, der Wettkampfbahn, vorzubereiten.

„Was wir aber nie vernachlässigen dürfen, ist der Spaß an der Sache“, mahnt der Präsident des Hessischen Fechtverbandes. Deshalb hat er auch ein Programm entwickelt, dass den jeweiligen Altersklassen angepasst ist und dem Projekt eine klare Struktur gibt. In der Talentfördergruppe (TFG) betreut er Einsteiger und Schüler der dritten und vierten Klasse, wobei es auch hier Ausnahmen von jüngeren Athleten gibt. In der folgenden TFG I werden die angehenden Fechterinnen und Fechter auf die Fechtprüfung vorbereitet, für die normalerweise eine Vereinsmitgliedschaft nötig ist. „Wir schaffen hier die Option, dass die Ausrüstung, Mitgliedsbeiträge und was noch anfällt, wirklich erst fällig werden, wenn die Kinder sich endgültig entschließen, den Fechtsport auszuüben“, erklärte Kühn. 

Haben die Kinder dann die Fechtprüfung bestanden, kommen sie in die TFG II. In der Regel sind die Schüler nun in der sechsten Klasse und fahren auf die ersten Turniere. Erst jetzt müssen sich die Kinder entscheiden, ob sie in den Verein eintreten möchten. Denn das ist die Voraussetzung, um an den Qualifikations-Turnieren teilzunehmen. 

Anschließend treten die Schüler in die Leistungsgruppe (LG) ein. „Drei Einheiten in der Woche sind hier Usus“, berichtete Kühn. „Wer später große Erfolge feiern möchte, sollte sich ein Beispiel an den Offenbacher Vorzeigeathleten Florina Plachta und Nikolaus Bodoczi nehmen, die in der Woche bis zu fünf Mal trainiert haben“, ergänzte er. In der LG gibt es so genanntes „Lektionstraining“. 45 Minuten lang steht ein Trainer gemeinsam mit seinem Schüler auf der Planche und lehrt ihn in Beinarbeit, Technik und Taktik. Die Athletik wird dabei ebenfalls gefördert.

„Dieser Prozess ist aber nur umzusetzen, wenn das Kind dieses auch wirklich möchte und ein Elternhaus dahinter steht, dass das ganze Konstrukt trägt“, erklärte Kühn. Das Angebot besteht aber nicht nur für Offenbacher Schüler. „Es ist ein Landesprojekt, das heißt auch Schüler aus anderen Orten können gerne am Unterricht teilnehmen und das Fechten erlernen“, erläuterte Kühn. Abschließend stand er den Eltern Rede und Antwort, wobei sich ein reges Interesse der Eltern entwickelte und positive Kritiken sowie konstruktive Vorschläge eingebracht wurden.