25.10.2010 Wettkampf in Russland und Beginn der Europameisterschaften der Junioren im Fechten

Offenbach (bü) Am 25. Oktober beginnen in Lobnya, 40 Kilometer nördlich von Moskau, die Europameisterschaften der Junioren im Fechten. Aus Deutschland treten 24 Athleten an, in den Disziplinen Säbel, Florett und Degen jeweils vier Frauen und vier Männer. Darunter auch Florina Plachta und Nikolaus Bodoczi vom Fechtclub Offenbach
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Für den 17-jährigen Nikolaus Bodoczi ist es bereits die sechste Europameisterschaft. 2009 erreichte er in Dänemark den zweiten Platz. Mit seinem Vater und Trainer Miklos Bodoczi reist der Offenbacher am 24. Oktober nach Russland, ehe am zwei Tage später das Einzel im Degen der Herren auf dem Programm steht. "Wichtig ist für mich, dass ich am Wettkampftag die Lust und Konzentration habe. Dann kann ich die EM gewinnen", gibt sich Nikolaus Bodoczi selbstbewusst.  Und das, obwohl er aktuell "weit weg ist von der Topform" ist. Ursache scheinen die Olympischen Jugendspiele im August zu sein, bei denen der Offenbacher die Silbermedaille gewann. "Mir fehlt jetzt ganz einfach die Sommerpause, der Rhythmus ist noch nicht da", sagt er. Dass er dennoch Siegchancen hat, zeigt das nationale Turnier, vergleichbar mit einer deutschen Meisterschaft, in Osnabrück. Bodoczi gewann trotz mangelnder Form auch gegen angesehene Gegner. Sein Trainer Miklos Bodoczi lobt die Einstellung seines Schützlings, der auch amtierender Kadettenmeister ist. "Man kann nicht jedes Jahr auf jedem Turnier Spitzenleistungen von ihm erwarten. Er wird in Russland auf starke Gegner treffen, die Tagesform wird entscheidend sein", sagt Miklos Bodoczi.

Vor der Europameisterschaft steht noch ein Trainingslager mit der Mannschaft in Tauber-Bischofsheim an. "Wenn wir mit dem Druck umgehen können, sprich auch bei den Gefechten um die Medaillen unsere Leistung abrufen können, ist auch mit der Mannschaft eine Medaille möglich", sagt Nikolaus Bodoczi. Die Mannschaftswettbewerbe folgen am 29. Oktober.
Für Florina Plachta beginnen die Gefechte am 28. Oktober, auch sie startet in der Disziplin Degen. Für die 16-jährige ist es die dritte Europameisterschaft. In Lobnya wird sie eine der jüngsten im Teilnehmerfeld sein. Erste Bedenken konnte Trainer Miklos Bodoczi ihr ausreden, spricht sogar von einem möglichen Podestplatz. "Sie hat keinen Druck. Stand letzte Saison schon in einem Weltcup-Finale. Eine Medaille traue ich ihr schon zu", sagt Miklos Bodoczi. Die Saisonvorbereitung gestaltete sich aufgrund eines Zehenbruchs bei Florina Plachta allerdings schwierig. Die Offenbacherin ist aber zuversichtlich, bis Russland den Trainingsrückstand aufgeholt zu haben. Das zeigt auch das letzte Ergebnis beim Frankfurter Bembel, einem regionalen Turnier, bei dem sie Platz acht belegte. Am 30. Oktober werden dann die Mannschaftswettbewerbe bei den Frauen ausgefochten.

Obwohl in Lobnya regelmäßig ein Weltcup ausgetragen wird, haben die Offenbacher "noch nichts Gutes von den Rahmenbedingungen gehört". Die Halle soll alt sein, das Hotel mitten im Wald liegen. Für die Europameisterschaft soll allerdings eine neuere, modernere Eissporthalle umfunktioniert werden.

Nach der EM in Russland stehen für Florina Plachta und Nikolaus Bodoczi im März die Europameisterschaft der Kadetten in Klagenfurt (Österreich) und im April die Weltmeisterschaft in Jordanien auf dem Programm, insofern die Qualifikation gelingt. Bodoczi denkt aber schon einen Schritt weiter. Die Olympischen Spiele 2012 in London kommen für den Zwölftklässler zu früh. "Der Bundestrainer formt jetzt schon das Team, außerdem stecke ich da mitten im Abitur. Aber 2016 in Rio möchte ich die Finalniederlage von Singapur umdrehen", sagt Nikolaus Bodoczi. Für diesen Traum trainiert er sechs Stunden in der Woche. Dazu noch über 40 Schulstunden, da bleibt nicht viel Zeit für anderes. Immerhin unterstützt ihn die Leibnizschule, stellt ihn für wichtige Wettkämpfe frei. Florina Plachta hat es da schwerer. In der Oberstufe muss auch sie nun länger in ihrer Schule in Klein-Krotzenburg verbringen. Schafft es aber auch wie ihr Vereinskamerad, sechs Stunden in der Woche zu trainieren. An 2016 denkt sie aber noch nicht. "Das ist noch zu weit weg für mich", sagt sie.